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Journal-Schreiben – Wie wir durch Selbstreflexion emotionaler schreiben lernen

 

Emotionen – Kein guter Roman kommt ohne sie aus. Wenn sich ein Leser mit der Hauptfigur eines Romans identifizieren kann, mit ihr leidet oder sich mit ihr freut, ist dem Schriftsteller etwas Großartiges gelungen: Er hat es geschafft, starke Gefühle zu transportieren. 

Insbesondere für Schreibanfänger ist dies eine Herausforderung, aber auch versiertere Schreiber scheitern immer wieder daran, bei ihren Lesern Emotionen zu erzeugen. Ein klassischer Fehler ist, die Gefühle der Figuren zu benennen („Paul ist wütend.“), anstatt sie durch Handlungen und Dialoge lebendig darzustellen (Show don’t tell). 

 

Gefühlen auf den Grund gehen

 

Wenn es einem Autoren schwer fällt, Gefühle auszudrücken und sie in ihren vielfältigen Facetten zu zeigen, ist es hilfreich, sich mit seinen eigenen Gefühlen intensiver auseinanderzusetzen. Dabei lassen sich spannende Beobachtungen machen, die wiederum helfen, die Gefühlswelten der Figuren besser zu verstehen und zu zeigen. 

Wenn wir in unsere eigenen Gefühle hineinspüren, entdecken wir, wie sie in uns wirken und was uns veranlasst, so und nicht anders zu fühlen. Wir finden Antworten auf Fragen wie: Wie reagiert der Körper auf Wut? In welchen Situationen spannt sich der Körper an? Gibt es äußere oder innere Reize, die dazu führen, dass man sich wohl oder unbehaglich fühlt? Je mehr Antworten wir haben, desto tiefgründiger schreiben wir.

Doch wie gelingt es, seine eigenen Gefühle näher zu betrachten? Die Antwort ist naheliegend: schreibend.

 

Das Journal ist mehr als ein Tagebuch

 

Seit jeher setzen sich Schriftsteller in ihren Tagebüchern mit ihren Erlebnissen und Gefühlen auseinander. Für mich persönlich war das klassische Tagebuchschreiben jedoch nie ein geeignetes Mittel, mich über Erinnerungen hinaus zu reflektieren. Im Tagebuchschreiben fühlte ich mich immer etwas verloren. Das Datum oder ein bestimmtes Ereignis als übergeordnetes Thema zu nutzen, war nicht meins.

Vor einigen Jahren lernte ich Journaling kennen. Der Begriff Journal-Schreiben oder Journaling ist im deutschsprachigen Raum noch nicht sehr verbreitet. Demnach fehlt auch eine einheitliche Definition. Manche setzen es auch mit dem Tagebuchschreiben gleich. Ich sehe die Abgrenzung zum Tagebuchschreiben darin, dass das Journal-Schreiben durch fokussierte Impulse zur Selbstreflexion angeregt wird, und die tieferen Schichten unserer Gefühlswelt aufbricht. 

Das Journal-Schreiben ebnet den Weg, um direkt mit der inneren Stimme in Kontakt zu treten und ermöglicht, sich selbst besser kennenzulernen. So kann man beispielsweise durch Reizfragen vergangenes Verhalten und Ereignisse reflektieren und auf diese Weise Erklärungen für Ihre aktuellen Verhaltensweisen finden. Zudem spielt die Entwicklung der Persönlichkeit beim Journaling eine große Rolle.

Durch das Journaling finden wir Zugang zu unseren verborgenen Gedanken und Emotionen, und können hinter die Fassade blicken: in unsere Seele. Durch spezifische Übungen ist es möglich, tief verborgene Gedanken und Emotionen auszudrücken und Ressourcen zu aktivieren, an deren Existenz wir nicht einmal gedacht haben.

 

Journal-Schreiben für mehr Erfolg als Autor

 

Das primäre Ziel, mit einem Journal zu beginnen, ist in der Regel nicht, sich als Schriftsteller oder Schriftsteller zu verbessern. Das Journal-Schreiben wird vielmehr als effektive Methode genutzt, um sein Leben neu zu überdenken, seinen Bedürfnissen auf den Grund zu gehen und sein Potenzial auszuschöpfen.

Dass man mit einer zunehmenden Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Gedanken und Gefühlen gleichzeitig seine Achtsamkeit auf die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten von Emotionen richtet, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Es ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Doch nach einigen Wochen, vielleicht auch Monaten des Journal-Schreibens, werden sich Unterschiede in den eigenen belletristischen Texten bemerkbar machen. 

Darüber hinaus habe ich drei weitere wichtige Effekte beobachtet, die das Journal-Schreiben bewirkt:

  1. Die Hemmschwelle, mit dem Schreiben zu beginnen, sinkt. Wir vertrauen dem Schreibprozess zunehmend und können ohne Weiteres losschreiben.
  2. Journaling fördert die tägliche Schreibroutine.
  3. Der Schreibstil ändert sich, weil man lernt, die Worte herauszulassen, neue Wortschöpfungen zuzulassen.

 

Die Journaling-Praxis

 

Für einen Journal-Eintrag reichen in der Regel 15 bis 20 Minuten. In dieser Zeit ist es jedoch wichtig, sich ungestört auf seine Gedanken und Gefühle konzentrieren zu können. Auf einen vorgegebenen Schreibimpuls, den man sich zuvor selbst stellt oder den man zuvor aus dem Internet herausgesucht hat, beginnt man mit dem Schreiben. Es werden alle spontanen Gedanken aufgeschrieben, die guten wie die schlechten. Dabei versucht man sich möglichst detailliert zu erinnern. Damit man möglichst frei schreibt, ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Journaling-Texte niemals ungefragt von einem Dritten gelesen werden. Es handelt sich um Texte, die man ausschließlich für sich selbst schreibt. Rechtschreibfehler, Banalitäten, Logikfehler sind während des Schreibens dieser Texte irrelevant. 

 

Beispiele für Journaling-Impulse:

 

  • Wann waren Sie besonders mutig? Schreiben Sie darüber, was Sie getan haben und wie sich Ihr Mut ausgedrückt hat.
  • Welches Lied erinnert Sie an eine schöne eine oder weniger schöne Zeit? Hören Sie das Lied erneut und schreiben Sie anschließend über Ihre Gefühle.
  • Schreiben Sie über das, was Sie im Moment beschäftigt.

 

Die entstandenen Texte können gesammelt und später gelesen werden. Interessant ist auch, den Schreibstil von verschiedenen Texten zu vergleichen. Garantiert ist eine Verbesserung des Stils spürbar.

 

Selbstfürsorge und Selbstverantwortung

 

Durch die Schreibimpulse beschäftigt man sich stärker als gewohnt mit seinen Gedanken und Gefühlen. Wenn es Themen aus der Vergangenheit gibt, die bei einer erneuten Auseinandersetzung zu belastend werden könnten, sollten entsprechende Aufgaben nicht durchgeführt werden. Entscheiden Sie bitte selbst, was Sie sich zutrauen und was nicht.

 

Buchempfehlung (Werbung!?):

 

James W. Pennebaker: Heilung durch Schreiben. ISBN: 978-3456847429

 

Silke Heimes: Schreib es dir von der Seele. ISBN 978-3-525-40430-0

 

 

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