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Autoreninterview mit Tanja Hanika

Tanja Hanika hat sich schon in ihrer Kindheit mit Herzblut den Gruselgeschichten verschrieben und lebt nun ihren Traum als Horrorautorin mit Mann, Sohn und Katze in der schaurig schönen Eifel. Sie ist seit fast vier Jahren überzeugte Selfpublisherin. Neben ihren Horrorgeschichten und Schauerromanen ist auch ihre Plothilfe, das »Arbeitsbuch für Schriftsteller«, bei Amazon erhältlich.

Liebe Tanja, du bist Autorin von Horrorgeschichten und Schauerromanen. Woher kommt deine Leidenschaft?

 

Bei mir hat es in der Kindheit schon gefunkt, was alles Gruselige anging. Geister, Vampire und Hexen fand ich immer schon spannender als Pferde oder die (damals) klassischen Mädchengeschichten. Ich denke, das liegt mir im Blut.

 

Ein Leser auf amazon kommentierte zu deinem aktuellen Horrorroman „Der Angstfresser“ „Nach den ersten Kapiteln mußte ich es erst einmal für ein paar Tage ruhen lassen.“ Es scheint also ein Buch zu sein, das nichts für schwache Nerven ist. Wie ist dir die Idee dazu gekommen?

 

Die ursprüngliche Idee zum »Angstfresser« ist mir, wie die meisten Anfangsideen wirklich einfach zugeflogen. Ich weiß nicht mehr, wo ich war, aber ich habe mich plötzlich gefragt, wie es aussehen würde, wenn einem (durchgedrehten) Horrorautor die Angst seiner Leser, die sie durch seine Bücher empfinden, nicht mehr genug wäre. Aber für einen Roman braucht man noch tausende Ideen mehr. Diese ersten Ideen fliegen mir zwar oft zu, aber Arbeit und Mühe erfordern dann all die Ideen, die man noch braucht, damit eine Geschichte daraus wird.

 

Auf deiner Homepage warnst du davor, dass „Der Angstfresser“ „explizite Gewaltdarstellungen und abstoßende Details“ enthält. Mich würde nun die Recherche dazu interessieren. Wie bist du bei der Recherche vorgegangen?

 

Für den Angstfresser habe ich viel im Internet recherchiert. Die Idee mit den bluttrinkenden Spottdrosseln kam mir zufällig durch eine Dokumentation über diese Vögel im Fernsehen. Aber die Infos zu den Dingen, die ich mit meinen Figuren anstelle, sind oft gar nicht leicht zu bekommen oder sehr widersprüchlich. Umso mehr freut es mich, dass ich inzwischen Kontakt zu meiner »Leichenspezialistin« habe, der ich meine seltsamen und schaurigen Fragen stellen darf. 

 

 Wann hast du mit dem Schreiben angefangen?

 

Meine ersten Geschichten – es waren tatsächlich schon Gruselgeschichten – entstanden, als ich acht Jahre alt war. In der Bücherei hatte ich eine Kinderversion von Stokers »Dracula« aufgestöbert und war absolut begeistert wie spannend und atmosphärisch Geschichten sein können. Genau das wollte ich auch schreiben und mein Opa hat mir hierfür seine alte Schreibmaschine überlassen, an der ich mich dann vor meiner eigenen Fantasie gegruselt habe.


Wie hast du dir das Schreiben beigebracht? Hast du Kurse besucht?

 

Durch jahrelange Übung, aufmerksames Lesen aller Genres, Testlesen bei anderen Autoren, über Feedback zu meinen eigenen Texten und durch viele Schreibratgeber. Ich habe außerdem Germanistik und Philosophie studiert, was mir ebenfalls geholfen hat. Durch Online Tutorials und Workshops habe ich auch einiges dazugelernt und mit jedem weiteren Buch, das ich schreibe, werde ich besser, finde ich.^^

 

Hast du immer daran geglaubt, dass du es schaffen wirst, deine Bücher zu veröffentlichen?

 

Der Traum war zwar immer da. Zu Unizeiten habe ich mich dann stärker damit befasst und fand die Einschränkungen (z.B. bzgl. Cover, Titel, Klappentext) bei Verlagen eher abschreckend, so verlockend das Marketing bei Spitzentiteln auch ist. Das Selfpublishing hat sich dann immer mehr etabliert und ich wollte es unbedingt auf diesem Weg probieren. Ich hab mich damit von Anfang an wohl gefühlt, es passt zu mir, und deswegen bin ich dabei geblieben, ohne mir die Mühe zu machen, es bei Verlagen/Agenturen mit einer Einreichung zu versuchen.

Was ich vor dem Start des Selfpublishings allerdings getan habe, war, Kurzgeschichten bei Anthologieausschreibungen und Literaturzeitschriften einzureichen. Ungefähr zwei Jahre lang habe ich probiert, wie mein Schreiben ankommt und ob ich auf dem Buchmarkt eine Chance haben könnte. Nach recht vielen Veröffentlichungen und positivem Feedback habe ich dann auch den Schritt zur Selfpublisherin gewagt.


Setzt du dir Schreibziele? Welcher Art?

 

Ich schreibe nicht nach täglichem Wordcount (fester Wortzahl), sondern erstelle mir tägliche Todo-Listen, weil ich immer mehrere verschiedene Projekte auf dem Tisch habe. Manchmal steht dann tatsächlich eine Wortzahl da, die ich schreiben möchte, aber ich orientiere mich lieber am Plot, wie weit ich im Text weiter zu schreiben plane. Auf der täglichen Todo-Liste steht natürlich viel mehr als nur schreiben und korrigieren. Es ist einiges an Organisation nötig und auch das Marketing bzw. social media und E-Mails beanspruchen viel Zeit.

 

Wie organisierst du das Schreiben? Schreibst du täglich?

 

Ich bin hauptberufliche Autorin und habe das große Glück, dass ich keinem anderen Beruf nachgehen muss. Ich muss eher schauen, dass ich das Schreiben mit dem Familienleben vereinbare, deswegen gehören die Nachmittage dem Sohn. Ich arbeite/schreibe täglich. Vormittags, wenn der Sohn im Kindergarten bzw. bald in der Schule ist und oft auch abends nochmal, sobald er schläft. Dabei gibt es aber so viele unterschiedliche Aufgaben, dass ich manchmal nicht jeden Tag zum eigentlichen Schreiben komme.

 

Hast du Rituale oder Herangehensweisen, die dir dabei helfen, ins Schreiben zu kommen?

 

Nein, mir reicht es, mich in mein heimisches Büro zu setzen oder auf der Terrasse den Laptop aufzuklappen. Dann ist für mich Arbeitszeit. Ich liebe den Job und mir fällt es eher schwer, nicht zu arbeiten. Gerne hab ich eine Tasse Kaffee neben der Tastatur stehen, aber schreiben kann ich eigentlich immer und überall.

 

Planst du oder schreibst du deine Romane einfach drauflos?

 

Ich plotte, bevor ich schreibe. Ich entwickle die Figuren und plane die Handlung. Jedoch nicht ganz detailliert. Ich lasse gerne kleine Freiräume, um den Figuren ein bisschen Spielraum zu lassen und damit ich mich selbst überraschen kann. Manchmal kenne ich nicht einmal das Ende, wenn ich losschreibe, manchmal habe ich aber auch alles ziemlich genau vor Augen. Das ist projektabhängig. Zum Plotten und Planen benutze ich mein »Arbeitsbuch für Schriftsteller«, das aus Arbeitsblättern entstanden ist, die ich ursprünglich für mich selbst entworfen habe.

 

Welche Vorteile hat das Planen für dich?

 

 

Die Vorteile liegen für mich darin, dass ich früh weiß, wohin die Geschichte – zumindest grob – führen wird. Ich kann nicht nur die Zeit/Abläufe strukturierter im Blick behalten, sondern auch die Figurenentwicklung. Im besten Fall sind Twists früh geplant und lassen sich leichter umsetzen. Und der wichtigste Punkt: Ich hatte noch nie eine Schreibblockade. Das führe ich zum Großteil auf das Plotten zurück. Wenn man einen Plot hat und nicht an einer Stelle mit dem Schreiben aufhört, die einen verunsichert, dann ist es kaum möglich, blockiert zu werden. Aber es hilft wohl auch, dass ich eine Arbeitsweise gefunden habe, mit der ich mich wohl fühle.

 

Wie gehst du bei der Entwicklung deiner Figuren vor? Hast du eine bestimmte Vorgehensweise?

 

Anhand des entsprechenden Worksheets im Arbeitsbuch entwerfe ich die Figuren. Sie bekommen frühzeitig einen Namen und auch Dinge wie Alter, Größe, Statur, Beruf, Vergangenheit, Kernbedürfnis, Motivation, sprachliche Merkmale, Freunde, Familie, Feinde, Stärken, Schwächen, u.v.m. wird festgelegt. Ich versuche, die Figuren kennenzulernen, damit ich weiß, wie sie später agieren und reagieren werden und damit sie leisten können, was für die Geschichte erforderlich ist.

 

Stichwort Marketing: Was ist dein persönlicher Marketingtipp, der dir hilft, dich und deine Bücher bekannt zu machen? 

 

Auf ein paar social media Plattformen aktiv zu sein, und das regelmäßig und nicht nur, wenn eine Veröffentlichung ansteht, ist auf jeden Fall eine wichtige Basis. Ansonsten schätze ich die Zusammenarbeit mit Bloggern, auch zwischen den Veröffentlichungen für aufs Schreiben bezogene Gastbeiträge. Ansonsten versuche ich auf einigen Buchevents anwesend zu sein, um Leser zu treffen, Kontakte zu knüpfen und Kollegen zu treffen. Auch Leserunden sorgen für Aufmerksamkeit und Rezensionen.

 

Was sind die größten Freiheiten und was sind die größten Herausforderungen für dich als Selfpublisherin?

 

Ich genieße es, jeden Tag so planen zu können wie ich möchte. Wenn der Sohn krank ist, kann ich problemlos immer für ihn da sein. Zwar habe ich für alle Projekte einen großen Zeitrahmen, aber was ich wann mache, ist mir überlassen. Ich bin gerne mein eigener Chef.

Die größte Herausforderung ist für mich das Genre. Horror ist leider ein Nischengenre und es gibt viele Leser, die sich grundsätzlich nicht herantrauen, weil sie entweder Angst vor Albträumen haben oder ihre Freizeit nicht mit Gruseligem (für sie Negativem) verbringen wollen. Dabei ist Horror so viel mehr! Im Gegensatz zum Krimi hat hier die potentielle Leiche noch die Chance, sich ihren Ängsten/Gegnern zu stellen, über sich hinauszuwachsen und zu überleben. Horror ist unglaublich facettenreich und läuft nicht stets nach demselben Schema ab. Es darf schlecht enden und die Vielfalt, wer oder was das Böse in der Geschichte ist, sind vielfältig. Horror ist eine Spielwiese, auf der man sich austoben kann.

 

Du bist bereits seit 2015 Selfpublisherin. Welche Veränderungen auf dem Markt hast du bemerkt?

 

Ich würde sagen, dass sich immer mehr Leser für Selfpublisher-Titel öffnen. Unser Ansehen, die Akzeptanz am Markt hat sich deutlich verbessert. Wir Selfpublisher haben uns professionalisiert. Es gibt zwar auch Negativbeispiele – ganz sowie überall – aber sehr viele Selfpublishing-Bücher können durchaus mit Verlagstitel mithalten, was Qualität und Lesegenuss betrifft.

 

Deine Bücher erscheinen sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Machst du Werbung in den englischsprachigen Ländern? 

 

An den englischen bzw. vor allem an den amerikanischen Markt taste ich mich momentan heran. Nachdem das »Writer’s Workbook«, die englische Version des Arbeitsbuchs, sich gut verkauft, wollte ich auch den Versuch mit einem meiner Horrorbücher wagen, ob es auch im Horrorbereich klappt. In den USA ist Horror sehr viel akzeptierter und beliebter, wodurch allerdings auch die Konkurrenz größer ist. Ich lasse momentan als erstes Romanprojekt den Angstfresser übersetzen (Titel: »The Fear Monger«) und wage den Versuch.

 

Du arbeitest derzeit an einem Hexenroman, der im Herbst erscheint. Kannst du schon etwas darüber erzählen? Worum geht es?

 

Mein Hexenhorroroman »Hexenwerk – Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach« wird im September erscheinen. Es ist mein erstes Projekt über Hexen und ich habe einen riesigen Spaß damit.

Darin geht um die besten Freunde Simon und Linus, die herausfinden, dass die unheimlichen alten Frauen in der Nachbarschaft böse kinderfressende Hexen sind. Um nicht wie die anderen gestohlenen Kinder aus Schwarzbach zu enden, legen Simon, Linus und ihre Freunde alles daran die Hexen aufzuhalten und zu vernichten. Neben Teufelsbuhlschaft und Eiterernte erwächst in den Hexen allerdings das Verlangen, die neugierigen Kinder auszumerzen, damit sie ihr ewiges böses Leben ungestört weiterführen können.

 

Wo können dich deine Leser im Internet finden?

 

Meine Homepage, zu der ihr euch auch zum Newsletter anmeldet könnt:

www.tanja-hanika.de 

Und hier bin ich in den sozialen Netzwerken unterwegs:

www.twitter.com/TanjaHanika

www.instagram.com/tanjahanika_autorin/

 

www.facebook.com/tanjahanika/

 

Foto: D. Pfingstmann

Covergestaltung Hexenwerk: Cathy Strefford

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