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Schreiben in Corona-Zeiten: 5 Tipps für Autoren mit Kindern

REPOST vom 20.7.20: Seit dem 16. März 2020 gab es wohl nichts, was uns mehr beeinträchtigte als der unsichtbare Virus. Deutschlands Alltag wurde komplett auf den Kopf gestellt, wodurch die Anforderungen an Eltern mit Klein- oder Schulkindern enorm stiegen:

Home-Schooling, Home-Office, Kochen, Haushalt, Freunde ersetzen, in die Natur gehen – die Zeit zum Schreiben kam dabei oft zu kurz. Entweder man war zu erschöpft oder man wurde in seinen Schreibphasen ständig unterbrochen.

 

Auch ich, Mutter einer Siebenjährigen, musste lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Ich bin zwar Home-Office erprobt, doch dass unsere Tochter 24 Stunden um mich herum war, war Jahre her. Dennoch haben wir es geschafft, dass trotz Corona Zeit zum Arbeiten und Schreiben blieb.

 

Für die Qwertz 02/20 habe ich einen Artikel geschrieben, der Tipps für Autor*innen bereithält, wie es gelingen kann, trotz Lock down zu schreiben. Ich möchte euch den Artikel auch hier zur Verfügung stellen, da diese Tipps nicht nur in Corona-Zeiten hilfreich sein können :-)

 

Tipp 1: Prioritäten setzen und die Erwartungen herunterschrauben

 

Eines musste ich gleich zu Beginn der Krise lernen: ich schaffe das übliche Arbeits- und Schreibpensum nicht. Es sind Aufgaben hinzugekommen, die mir normalerweise von außen abgenommen werden: die Betreuung, das Mittagessen, Lernzeiten … Es ist nicht möglich, alles perfekt zu erfüllen. Ich kann kein gesundes Mittagessen kochen, Hauslehrerin spielen, nebenbei das Haus blitzblank putzen und genauso viel arbeiten und schreiben wie ich es gewohnt bin. Das ist mir schnell klargeworden. Aus diesem Grund haben wir noch in der ersten Woche Prioritäten gesetzt und die Aufgaben auf alle Familienmitglieder verteilt.

Es ist aber nicht nur der neue Alltag, der das Schreiben erschweren kann, sondern auch Sorgen und Ängste. Corona ist ein unsichtbarer Gegner, der Maßnahmen notwendig gemacht hat, an die die meisten von uns je einen Gedanken verschwendet hat. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, wie wir in zwei, vier oder sechs Monaten leben werden. Bleiben wir gesund? Können wir unseren Job behalten? Ist unsere Existenz bedroht? Mit diesen Unsicherheiten umzugehen kostet Energie, wodurch wir uns erschöpfter fühlen als wir es von uns gewohnt sind. 

Um Unzufriedenheit zu vermeiden, ist es wichtig, die Erwartungen an sich selbst und andere herunterzuschrauben und gelassener zu werden. Diese Gelassenheit färbt schließlich auch auf die Kinder ab, was wiederum zu einem stressfreieren Alltag führt.

 

Tipp 2: Vereinbarungen und visuelle Hilfsmittel

 

Unsere Tochter ist ein Mama-Kind, von Anfang an. Deshalb bin ich Ansprechpartnerin Nummer eins, egal um welches Bedürfnis es geht. In der ersten schulfreien Woche habe ich versucht, den Spagat zwischen Kind und Arbeit zu bewältigen, doch die ständigen Unterbrechungen führen zu Frust und Ineffektivität. 

Aus diesem Grund haben wir uns als Familie zusammengesetzt und gemeinsam Vereinbarungen getroffen: Gibt es eine Frage, ein Problem, soll zunächst unsere Tochter versuchen, sich selbst zu helfen. Ist dies nicht möglich, ist bis 13 Uhr der Papa (der glücklicherweise ebenfalls im Home-Office ist) für alle Anfragen zuständig, nachmittags ich. 

Zusätzlich gibt es visuelle Hinweise, die anzeigen, ob ich mich in einem konzentrierten Schreibprozess befinde oder nicht: Anfangs habe ich ein klassisches Bitte-nicht-stören-Schild an die verschlossene Tür gehängt. Sie kann zwar lesen, aber überlas es gern. Irgendwann stieß ich im Internet auf eine Schrankleuchte mit Fernbedienung, die auf Knopfdruck die Farben wechseln kann. Ich habe sie zweckentfremdet und als Warnleuchte vor die Tür gelegt. Meine Tochter hat schnell begriffen: Rot bedeutet, dass ich überhaupt nicht gestört werden möchte, Gelb, dass ich bei wirklich wichtigen Fragen zur Verfügung stehe und Hellblau, dass ich zwar arbeite, aber eine kurze Unterbrechung okay ist.

Für diejenigen, die kein eigenes Büro zur Verfügung haben, sind solche visuellen Zeichen besonders hilfreich, um kommentarlos deutlich machen zu können, in welchem Arbeitsmodus man sich befindet.

Regeln und Absprachen, die gemeinsam besprochen werden, sind auch für kleine Menschen nachvollziehbar und bieten Orientierung.

 

Tipp 3: Nichts geht über eine gewisse Struktur 

 

Mit der auferlegten Isolation brach bei allen Familien die vorgegebene Struktur von außen weg. Keine Hektik mehr am Morgen, um den Schulbus rechtzeitig zu erwischen, keine Termine mehr am Nachmittag. Einen Rat von Psychologen haben wir von Anfang an berücksichtigt: Dem Tag eine eigene Struktur zu geben, um das Gefühl von Kontrolle zu erhalten. Wir haben gemeinsam einen Plan erarbeitet, der auf unsere Bedürfnisse weitgehend abgestimmt ist. Dazu gehören feste Ankerzeiten wie Aufstehen, sich fertigmachen, die Mahlzeiten sowie natürlich die Arbeits- / Schreibzeiten. Gemeinsame Zeit, um rauszugehen oder miteinander zu spielen, ist ebenfalls fest eingeplant. Für unsere Tochter wie auch für uns ist diese feste Verabredung am Tag etwas, worauf wir uns freuen. Dadurch wird die Zeit, in der wir Ruhe zum Arbeiten benötigen, mehr respektiert, da wir ihr genau sagen können, wie lange es noch dauert, bis wir wieder gemeinsam Zeit verbringen können.

 

Tipp 4: Ein eigener Arbeitsplatz für die Kleinen

 

In jedem Autorenalltag gibt es Aufgaben, die erledigt werden können, ohne dass absolute Ruhe notwendig ist. Ich erledige Aufgaben wie Recherchen beispielsweise am frühen Nachmittag. Meine Tochter weiß, dass sie in dieser Zeit vorbeikommen und sich an den Arbeitsplatz setzen kann, den ich extra für sie geschaffen habe. Dort liegen Stifte und Blätter bereit, damit sie malen kann.

 

Tipp 5: Einfach schreiben

 

Negative Gedanken können blockieren, sich hinzusetzen und loszuschreiben fällt dann schwer. Doch dazu sollten wir es nicht kommen lassen. Wenn es partout nicht gelingt, den Roman fortzuführen, der voller Enthusiasmus Anfang des Jahres begonnen wurde, dann sollten wir dies erst einmal akzeptieren. Es ist in Ordnung, in dieser herausfordernden Zeit Projekte stillzulegen. Angst- und sorgenvolle Gedanken sollten aber nicht grundsätzlich davon abhalten, täglich ein paar Minuten zu schreiben. Sehr hilfreich ist es, 15 bis 20 Minuten (mit Timer) alles aufzuschreiben, was einen durch den Kopf geht. Auf diese Weise distanziert man sich zunehmend von seinen Ängsten und fühlt sich befreiter.

Ist es eher die fehlende Zeit, die einen davon abhält, an seinem Projekt zu arbeiten, kann sich vornehmen, nur zehn Minuten pro Tag daran zu arbeiten. Wer kein großes Projekt hat, aber im Schreibfluss bleiben möchte, kann kurzweilige Schreibimpulse nutzen, um zehn Minuten kreativ drauflosschreiben. 

 

 

Alles Gute für diese ungewöhnliche Zeit!

 

 

 

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