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Schreibend um die ganze Welt – Interview mit der Autorin und Weltenbummlerin Ute Bareiss

 

Heute darf ich euch eine ganz besondere Autorin vorstellen. Besonders unter anderem deshalb, weil sie einen unglaublichen Arbeitsplatz hat, und zwar auf einem Schiff! Ich freue mich sehr, dass sie sich dazu bereit erklärt hat, meine Interviewfragen zu beantworten und etwas aus ihrem Autorenleben und ihrem dritten Thriller "Blauer Tod" zu erzählen, der auf Borneo spielt und im Mai 2018 erschienen ist.

 

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum! So machte sich Ute Bareiss Anfang des Millenniums zur Weltumsegelung auf und verlegte ihr Schreib- und Übersetzungsbüro von Stuttgart an Bord ihres Segelkatamarans Taimada. Gemeinsam mit ihrem Mann erforscht sie die Welt über und unter Wasser. Ihre Spur zieht sich vom Mittelmeer über Afrika, die Karibik, Nord- und Südamerika, die Südsee, Ozeanien, Australien, Indonesien bis in den Fernen Osten, den Indischen Ozean, das Rote Meer – einmal um die ganze Welt.

Was könnte besser zum Abtauchen in andere Welten inspirieren als exotische Plätze und fremdartige Kulturen? Nicht nur in ihren Reiseberichten für diverse Magazine, sondern auch in spannungsgeladenen Thrillern und Jugendkrimis spiegeln sich aufregende Situationen ihres Alltags facettenreich wider.

Die Thrillerreihe um den Meeresbiologen Alex-Martin erscheint beim Kieselsteiner-Verlag, bislang sind Band 1 „Roter Ozean: Im Fahrwasser der Macht“und Band 2 „Weißes Gold: Im Sog der Gier“erschienen, Band 3 „Blauer Tod: Im Netz des Terrors“ wird im Mai veröffentlicht.

Ute Bareiss ist im Ehrenamt aktiv als Vorstandsmitglied für Seminare beim Bundesverband junger Autoren und Autorinnen und bei den Mörderischen Schwestern sowie als Moderatorin beim Deutschen Schriftstellerforum und Organisatorin des Syndikat-Stammtischs. 

 

Liebe Ute, wann hast du mit dem Schreiben begonnen und wie lange hat es gedauert, bis du dein erstes Buch veröffentlicht hast?

 

Mein erstes komplettes Manuskript schrieb ich mit vierzehn – einen Jugend-Liebesroman, die Protagonisten waren Mitschüler. Leider existiert dieser nicht mehr, da ich ihn zerriss, weil es mir peinlich war, als er in die Hände einiger Klassenkameraden gelangte. Danach gab es eine lange Pause – erst mit dreißig fasste ich das Schreiben wieder ins Auge, und auch da dauerte es einige Jahre, bis ich mich ernsthaft damit befasste. Als erstes schrieb ich einen Jugend-Abenteuer-Roman, der allerdings noch in der Schublade liegt. Das Thriller-Schreiben folgte einige Jahre später – im Endeffekt waren es dann gut dreißig Jahre vom Erstmanuskript bis zur ersten Veröffentlichung von „Roter Ozean“, dem ersten Alex-Martin-Thriller. Danach hatte ich noch einen Jugendkrimi im Rahmen der „Ein MORDs-Team“-Reihe bei der Greenlight Press geschrieben, der sogar noch kurz davor veröffentlicht wurde. 

 

Du hast dein erstes Buch während einer Weltumseglung geschrieben, die du mit deinem Mann gemacht hast. Ihr seid mehrere Jahre unterwegs gewesen, 16, wenn ich richtig informiert bin. Wie sah dein Schreiballtag aus? Ich stelle es mir sehr beruhigend vor, auf einem Schiff zu schreiben, ohne Ablenkung von außen. Oder?

 

Richtig! Wir ließen uns vierzehn Jahre für die erste Weltumsegelung Zeit und sind seit zwei Jahren auf der zweiten Runde. Der Schreiballtag ist so unterschiedlich wie die Gebiete, die wir bereisen. Während des Segelns kann ich nur Schreiben, wenn es einigermaßen ruhig ist. Viel Wellengang ist hinderlich. 

Wenn wir in einer ruhigen Bucht ankern, gibt es jedoch keine schönere Schreibumgebung – die Aussicht auf Meer, Sonne und Strand sowie das Wellenrauschen tragen viel zur Inspiration bei. 

 

In welchem Maße hat dich eure Weltumseglung als Autorin beeinflusst?

 

Sehr! Das Reisen allein regt die Fantasie an. Die Erlebnisse mit den Menschen, der Natur und den exotischen Gegenden bieten viel Stoff für Geschichten, die erzählt werden wollen. Die Alex-Martin-Thriller spielen alle in unterschiedlichen Gebieten, die wir selbst im Rahmen unserer Weltumsegelung bereist haben – Band 1 (Roter Ozean) im Toskanischen Archipel, Band 2 (Weißes Gold) in Thailand und Afrika, Band 3 (Blauer Tod) im Roten Meer. Weitere Bände sind unter anderem in der Karibik, Australien und Indonesien geplant.

Auch Borneo hat mich zu einer weiteren Thriller-Reihe inspiriert. 

 

Gibt es auch einen Autor, eine Autorin, der/die dich inspiriert?

 

Konkret nicht. Ich mag alle Geschichten, die neben einer spannenden Handlung auch ein fesselndes Hintergrundthema bieten, das zum Nachdenken anregt. Sehr gern Öko-, Polit- und Wirtschaftsthriller. 

Am ehesten kommt wohl Clive Cussler als Vorbild in Frage, der mit seiner Dirk-Pitt-Reihe, die ebenfalls im maritimen Bereich spielt, spannende Geschichten geschrieben hat.

 

Du schreibst Thriller. Was fasziniert dich an diesem Genre?

 

Die Herausforderung, ein Thema oder eine Geschichte in einen spannenden Rahmen zu packen, sodass sich hinterher die Puzzlestücke der Handlung, die jeweiligen Hinweise auf den Schuldigen, zu einem logischen Ganzen zusammenfügen. 

Am liebsten sind mir Thriller, die neben fesselnden Charakteren auch Action und ein brisantes Thema bieten. 

Zudem reizt mich die umfangreiche Recherche, die gerade bei diesen Thrillern vonnöten ist, denn ich finde es immer wieder faszinierend, ganz in ein Thema einzutauchen. 

 

Dein Thriller-Debüt war „Roter Ozean“, Band zwei, „Weisses Gold“, folgte schon bald. Dein Protagonist ist der Meeresbiologe Dr. Alexander Martin. Was fasziniert dich an diesem Charakter?

 

Zum einen fasziniert mich die Ozeanologie an sich. Alex Martin ist kein Standard-Ermittler, sondern ein Meeresbiologe, der mit beiden Beinen im Leben steht und – trotz vieler Widrigkeiten, die auch seinem Leben auferlegt wurden – ein positiver Mensch geblieben ist, der die schönen Seiten zu schätzen weiß. Er setzt sich stark für die Umwelt und seine Mitmenschen ein. 

 

Dein derzeitiges Schreibprojekt ist ein Öko-Thriller, der auf Borneo spielt. Was steckt dahinter und wie bist du auf diese Idee gekommen?

 

Im Rahmen unserer Weltumsegelung hatten wir Borneo besucht. Die Abholzungen der Wälder, das anschließende Abbrennen und Anbauen von Ölpalmen-Plantagen hat mich erschreckt. Auch das Wissen, dass die faszinierenden Orang-Utans, die wir dort in freier Wildbahn erleben durften, nicht mehr lang existieren werden, wenn sich nicht schnellstmöglich etwas ändert, hat mich nachhaltig beschäftigt und zu dem aktuellen Plot inspiriert. 

2015 sind wir dann nochmals nach Borneo geflogen, um gezielt zu recherchieren. Dies wird eine Geschichte abseits der Alex-Martin-Thriller werden, die mir sehr am Herzen liegt. 

 

Du schreibst auf deiner Webseite, dass dir ein Teil der Protagonisten ans Herz gewachsen sind. Warum?

 

Man verbringt täglich viele Stunden mit seinen Protagonisten. Sie beschäftigen einen konstant, teilweise bis in die Träume. Dadurch, dass sie in der Serie immer wieder auftreten, bleiben sie auch ständig präsent. 

 

Deine Kritiken bei Amazon sind hervorragend. Deine Bücher werden fast durchweg als besonders „spannend“, „fesselnd“, „actionreich“ beschrieben. Wie hast du das Schreibhandwerk gelernt? 

 

Nach einem Creative Writing-Seminar auf der Uni hatte ich mich sehr viel mit Schreibratgebern beschäftigt und auch einige Seminare, unter anderem beim beim Bundesverband junger Autoren, belegt. 2008 fand ich das Deutsche Schriftstellerforum und dort habe ich – durch das gegenseitige Kritisieren der Texte – sehr viel gelernt. Am meisten dadurch, dass ich mich mit fremden Texten beschäftigt habe und so überlegen musste, warum etwas funktionierte, beziehungsweise der Überarbeitung bedurfte. Dies hat mir am meisten geholfen. 

 

Wie gehst du beim Schreiben einer Geschichte vor? Planst du oder schreibst du einfach drauf los?

 

Da bei einem Thriller die diversen Handlungsstränge miteinander verwoben werden, funktioniert da ein einfaches „Darauf-Losschreiben“ nicht. Ich muss den groben Plot vorausplanen – auch wenn manchmal während des Schreibprozesses der ein oder andere Protagonist ein Eigenleben entwickelt Es ist kein allzu starres Gerüst. Ich stelle auch dem Verlag vorab den Handlungsverlauf in einem Exposé vor.

 

Wie sieht dein Schreiballtag aus? Wie viele Stunden schreibst du täglich oder pro Woche? Hast du feste Schreibzeiten?

 

Ich arbeite im Grunde jede freie Minute an meinem Buch. Wenn ich die Zeit dazu habe, können das auch gut zehn bis vierzehn Stunden am Tag sein. 

 

Ein reiner Schreibtag beginnt meist mit einer Tasse Kaffee, während der ich meine E-Mails bearbeite, dann die sozialen Medien, gefolgt von der Recherche. Danach überarbeite ich, was ich am Vortag geschrieben habe. Nach einem späten Frühstück schreibe ich dann oft auch bis in die Nacht, wenn ich im Schreibfluss bin. 

 

Und wie beginnst du eine Schreibphase?

 

Mit einer Tasse Kaffee und einem Lied. Bei Band 3 „Blauer Tod“ war es zum Beispiel immer „Halleluja“, gesungen von Jon Bon Jovi. Dann arbeite ich das am Vortag geschriebene nochmals durch, bevor ich mich (mit Musik) ganz dem Schreiben widme.  

 

Wie lange brauchst du für ein Buch?

 

Da ich sehr viel recherchiere und auch Zeiten habe, an denen ich nicht zum Schreiben komme, benötige ich ein gutes Jahr für ein Buch, manchmal auch eineinhalb. Wobei sich Schreibzeit und Recherche da beinahe die Waage halten.

 

Wie gehst du bei deiner Recherche vor? Hast du dich an allen Schauplätzen längere Zeit aufgehalten?

 

Um den Leser mitten ins Geschehen zu bringen, ist es mir wichtig, alle Schauplätze selbst zu erforschen, da ich der Meinung bin, dass man die Gegend – mitsamt den Geräuschen und den Gerüchen – nur so authentisch widergeben kann.

 

Im Hintergrund stehen meist Themen, mit denen ich mich schon beschäftigt hatte, weil sie mich interessieren. Nach einer Grundrecherche im Internet suche ich mir Fachleute, dir mir mit den nötigen Informationen und Hintergründen weiterhelfen. 

 

Welche drei Tipps kannst du jungen Autoren auf den Weg geben?

 

  1. Viel Lesen! In einem Genre, das einen selbst interessiert und das man schreiben möchte und auch Bücher, die einem sprachlich gefallen. 
  2. Das Handwerk lernen! Seminare besuchen, die Texte gegenseitig korrigieren (hier sind Foren sehr hilfreich) und offen für konstruktive Kritik sein. 
  3. Netzwerken! Sich mit anderen Schreiblustigen (ob gestandene Autoren oder Hobbyschreiber) austauschen, Kummer und Nöte teilen und sich Tipps holen. 

Vielen lieben Dank für dein tolles Interview, liebe Ute.

 

Wenn ihr mehr über Ute erfahren möchtet, informiert euch gern hier:

 

Ute Bareiss

Weltumseglerin und Autorin

Freie Lektorin und Übersetzerin

 

<<< www.ute-bareiss.de >>>

<<< www.weltenbummler-blog.de >>>

<<< www.facebook.com/ute.bareiss.autorin >>>

<<< Twitter @ute_bareiss >>>

 

- "Alex-Martin-Thriller" beim Kieselsteiner Verlag

Roter Ozean: Im Fahrwasser der Macht, Band 1 (April 2015/Juli 2016)

Weißes Gold: Im Sog der Gier, Band 2 (November 2016)

Blauer Tod: Im Netz des Terrors, Band 3 (April 2018)

- "Ein MORDs-Team" - All Age-Krimiserie, Greenlight Press

Eine verhängnisvolle Erfindung, Band 3 (Oktober 2014)

 

- "Aus Liebe zum Meer" - eine Maritime Anthologie, Verlag 3.0 (Juni 2015)

 

(c) Bilder: Ute Bareiss

 

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