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Autoreninterview mit M. W. Fischer

M. W. Fischer, Jahrgang 1962, lebt mit seiner Frau in der Schweiz. Er erzählt warmherzige Geschichten über die verschlungenen Wege der Liebe. Als Personal- und Finanzchef eines international vernetzten Hilfswerks mit 170 Mitarbeitenden kennt er unzählige Konfliktsituationen aus der Praxis, die Stoff für spannende Geschichten liefern. Mit »Wohin der Wind uns trägt« gelang ihm 2017 der Durchbruch zum Verlagsautor bei Ullstein Forever. »Die Liebe ist kein Rockkonzert« ist sein fünfter Roman und der dritte, der in der Schweiz spielt. Weitere Informationen zum Autor und seinen Büchern unter: www.autor-martin-fischer.ch

Lieber Martin, danke, dass du bei meinen Autoreninterviews dabei bist. Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?

 

Seit Kindsbeinen bin ich ein leidenschaftlicher Leser. Als Jugendlicher habe ich mehrere Geschichten angefangen zu schreiben, die aber mangels Anleitung jeweils nach wenigen Seiten versandeten. Meine erste vollständige Novelle habe ich im Sommer 2013 geschrieben und daraufhin auf dieser Geschichte aufbauend meinen ersten Roman.

 

Wie hast du dir das Schreiben beigebracht? Hast du Kurse besucht?

 

Als Grundvoraussetzung sehe ich, wie viele meiner Autorenkollegen, selber viel zu lesen. Daraus erwächst natürlicherweise ein gewisser Schreibstil. Grammatik und Orthografie muss man selbstverständlich auch lernen, wie auch Interpunktion und Groß-Klein-Schreibung. Das dramaturgische Wissen suchte ich mir aus Büchern und Youtube-Videos zusammen. Ich habe zwar nach meinem ersten Roman einen Online-Schreibkurs besucht, aber der hat mir in dieser Hinsicht nichts beigebracht. 

 

Du hast ein Genre gewählt, das eigentlich eher von Frauen dominiert wird: Liebesromane. Das ist interessant! Wie kam das? 

 

Es fing mit der Novelle im 2013 an, Liebe aus zweiter Hand. Darin geht es um eine junge Studentin, die für den bevorstehenden Besuch ihrer Mutter aus Deutschland ein Bettsofa benötigt, das Geld für ein Neues aber nicht hat. Auf dem Weg durch die Berner Secondhand-Läden entstehen erste zarte Bande zu ihrem Kommilitonen Tom. 

In dieser Geschichte entdeckte ich mein Faible für Lovestorys, das ich dann in meinem ersten Roman, Abfahrt in zwei Minuten, auslebte. Ich bekomme selber immer wieder Herzflattern, wenn sich zwei Menschen kennenlernen, aneinander vorbeireden, sich endlich doch finden und weitere Hindernisse bewältigen müssen, bis endlich Herz und Verstand gemeinsam Ja sagen. Da ich ursprünglich Thriller, Science Fiction und Urban Fantasy schreiben wollte, sind meine Geschichten auch immer mit Spannung und dem Lösen eines Rätsels gewürzt.

 

Deine Romane spielen in den USA. Welche Verbindung hast du zu den USA?

 

Meine Tochter lebt mit ihrer Familie in den USA und ich selber habe dieses Land schon mehrmals bereist. Als junger Mann lebte ich auch ein Jahr in Canada, doch für meine Romane wählte ich den größeren und schillernderen Bruder Amerika. Die Gegenden um San Francisco, Los Angeles, West- und Ostküste kenne ich aus erster Hand.

 

Wie versetzt du dich in Schreibstimmung?

 

Am wichtigsten ist mir, mich von Lärm, Betriebsamkeit und Störungen abschotten zu können. Dazu setze ich meinen Kopfhörer mit Noise-Cancelling auf, streame zur Szene passende Musik und vertiefe mich in den Plot der anstehenden Szene. Für mich ist es wichtig, mich in die Szene hineinversetzen zu können und sie bildlich vor mir zu sehen. Hin und wieder verwende ich dazu Fotos von Protagonisten und Locations, aber das hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren.

 

Wie sieht dein Schreiballtag aus? Hast du Rituale oder Herangehensweisen, die dir dabei helfen, ins Schreiben zu kommen?

 

Ich benötige einfach ein paar Stunden Ruhe mit Open End. Rasch mal 15 Minuten zu Schreiben bringt mir nichts. Bis ich den ersten Satz geschrieben habe, ist die Zeit schon wieder um.

 

Setzt du dir Schreibziele? Welcher Art?

 

Mit einem herausfordernden Vollzeit-Job setze ich mir keine konkreten Ziele, sondern versuche, so viel Zeit wie möglich zum Schreiben zu finden. Dann schotte ich mich ab und schreibe, so weit ich komme. Das sind an einem normalen Abend um die 800 bis 1‘500 Wörter. An einem freien Tag, wenn ich in den Flow komme, können es bis 5‘000 Wörter werden. Ich habe an meiner Pinnwand einen Zettel mit meinem persönlichen Tagesrekord von 7‘831 Wörtern, den ich vielleicht einmal knacken werde.

 

Planst du oder schreibst du deine Romane einfach drauflos? Welche Vorteile hat das Planen für dich?

 

Ich plane meine Romane, denn wie mir frühere Schreibversuche gezeigt haben, tauge ich nicht zum Drauflos-Schreiben. Dabei begann ich mit unbeholfenen Szenenideen, ging über zu detaillierten Szenen-Plots (streng nach Lehrbuch) und kam im neusten Roman (Die Liebe ist kein Rockkonzert) zu einer loseren Handhabung zurück. Mit dem Szenenaufbau nach Lehrbuch im Hinterkopf gibt mir das nun größtmögliche Freiheit, der Kreativität freien Lauf zu lassen und trotzdem einen sinnvollen Szenenaufbau anzuwenden.

 

Wie gehst du bei der Entwicklung deiner Figuren vor? 

 

Damit tue ich mich am schwersten. Bewährt hat sich für mich, die Figuren grob in der Geschichte zu sehen, mir ihren Charakter zu überlegen und visuelle Vorlagen in Pinterest zu suchen. Dann mache ich Interviews mit ihnen, schreibe einige Probeszenen wo sie miteinander interagieren und überlege mir Details aus ihrem Leben. Doch da liegt mein größtes Potenzial für die Zukunft. Keine Frage.

 

Wie gelingt es dir, dich in deine weiblichen Protagonistinnen zu versetzen? 

 

Erstaunlich gut, was mich manchmal selber erstaunt. Aber mit meiner Lebenserfahrung, als verheirateter Mann mit zwei Töchtern, Filmen, Büchern und Geschichten aus dem Alltag kann ich genügend tief in meine weiblichen Protagonistinnen eintauchen und fühle mit ihnen. Doch bin ich oft froh um weibliches Feedback, denn schließlich bin und bleibe ich ein Mann, was hin und wieder durchdrückt. 

 

Wie lief die Verlagssuche zu deinem ersten Roman „Wohin der Wind uns trägt“?

 

Ich hatte vor, den Roman wieder als Selfpublisher herauszugeben. Dann meldete ich mich auf der Seite „Dein Text Dein Buch“ an und wurde von Ullstein Forever angesprochen. So kam ich zum Verlag, mit dem ich zwei Bücher veröffentlichte.


Bist du in irgendwelchen Schriftstellerverbänden, zum Beispiel beim BVjA? Hat dir deine Mitgliedschaft in diesem Verband Vorteile als Autor gebracht?

 

Nein, ich bin in keinem Verband. In der Schweiz ist mir auch keiner bekannt. 

 

Was ist dein aktuelles Projekt? Worum geht es und wann erscheint es?

 

Mein aktueller Roman heißt „Die Liebe ist kein Rockkonzert“ und spielt wieder in der Schweiz. Hier der Klappentext:

 

Während einer Zugfahrt trifft die junge, schüchterne Schneiderin Stefanie auf den vorlauten Rocksänger Marco, der sie von ihrem Fensterplatz vertreiben will. Doch als Stefanie bemerkt, was für ein besonderer Charakter hinter seiner rebellischen Fassade steckt, ist sie von ihm fasziniert und fühlt sich zu ihm hingezogen. Nachdem er sie auch noch überraschend zu seinem nächsten Konzert einlädt, scheint alles perfekt zu sein, bis zu dem Moment, als Stefanie überstürzt den Konzertsaal verlässt. Hat ihre Liebe überhaupt eine Chance?

 

Kurz gesagt geht es um zwei unterschiedliche Charaktere, die sich gegen alle Vernunft ineinander verlieben. Doch je weiter sie in ihrer Beziehung kommen, desto höher werden die Hürden.

 

Das Buch erschien am 15. Juli 2019 bei Amazon, vorerst als E-Book, dann auch als Taschenbuch. Zudem nehme ich damit am Amazon Storytelling Award 2019 teil.

 

Welche drei Tipps kannst du Schreibanfänger geben?

 

Puh, nur drei Tipps? Das ist jetzt eine echte Herausforderung, wo es doch soooo viel zu sagen gibt.

  1. Lies viel in dem Genre, das du auch schreiben möchtest. Kenne die Besonderheiten dieses Genres und vermeide Genre-Überschneidungen. 

  2. Auch wenn du Plotten überflüssig findest, empfehle ich dir, eine Road-Map oder ein Kroki für deinen Roman zu erstellen. Wo fängt die Geschichte an, wohin führt sie? Notiere auch die wichtigsten Wendepunkte oder Plotpoints dahin. Das setzt viel Wissen voraus, das du dir aus Büchern oder Kursen besorgen kannst. Aber es lohnt sich auf lange Sicht.

  3. Halte die Erzählperspektive einfach, aus einer oder zwei Perspektivfiguren. Für den Anfang würde ich die dritte Person Singular im Präteritum wählen. Die ist am gängigsten. Z. B. Marco gab Stefanie einen Kuss. Die Ich-Perspektive ist tatsächlich schwieriger und die Gegenwartsform noch mehr. Ich kehrte nach zwei Ich-Büchern zur dritten Person Singular zurück. Das gab mir die Möglichkeit, natürlich und abwechslungsweise die beiden Protas als Perspektiv-Figuren zu beschreiben.

 

Wo können dich deine Leser im Internet finden?

 

Auf meiner Homepage www.autor-martin-fischer.ch, auf Facebook unter www.facebook.com/mwfischer.romanticsuspense oder auf Instagram unter www.instagram.com/mwfischerautor. Und natürlich auf der Autorenseite von Amazon, die man mit http://bit.ly/mwfischer aufrufen kann.

 

 

 

Ich bedanke mich ganz herzlich dafür, dass ich an diesem Autoreninterview habe teilnehmen dürfen und hoffe, dass es einigen Schreibwilligen Mut gemacht hat, den Schritt zu einer eigenen Geschichte zu wagen. Jede Weltreise beginnt mit dem ersten Schritt, den man vor die eigene Haustür setzt.

 

 

 

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