Hinweis: Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst jedoch nicht meine objektive Bewertung des Inhalts.
Anita Reif: Dein Leben bietet mehr als du denkst
Genre: Frauenentwicklungsroman
telemach-verlag.de; 15 Euro
Taschenbuch, 204 Seiten
ISBN-13 : 978-3986412517
Mit „Dein Leben bietet mehr als du denkst“ hat die Autorin Anita Reif ein Buch geschrieben, das viele Menschen genau im richtigen Moment erreichen dürfte. Es geht um Erschöpfung, innere Leere,
Anpassung und die Frage, warum wir oft so lange funktionieren, bis wir uns selbst kaum noch spüren.
Im Mittelpunkt steht Mariella, die nach außen vieles im Griff hat, innerlich aber zunehmend an ihre Grenzen kommt - bis sie den Entschluss fasst, sich von einem Coach begleiten zu
lassen.
Anita Reif erzählt Mariellas Entwicklung einfühlsam und nahbar. Viele Gedanken, Gefühle und Situationen wirken vertraut, weil sie Themen anspricht, die viele Menschen aus ihrem eigenen
Alltag kennen: der Wunsch, es allen recht zu machen, der Wunsch nach Anerkennung, ständig die eigenen Bedürfnisse immer weiter nach hinten zu schieben.
Anita Reif schreibt in einer klaren, ruhigen und sehr alltagsnahen Sprache. Ihre Szenen wirken glaubwürdig, weil sie kleine Beobachtungen und zwischenmenschliche Spannungen sehr fein einfängt.
Beispielsweise in den Passagen rund um Mariellas Begegnungen mit Florians Eltern zeigt sich, wie präzise sie unausgesprochene Gefühle, unterschwellige Anspannung und familiäre Dynamiken
beschreiben kann. Ohne große Dramatik entsteht dabei eine Stimmung, die viele Leserinnen und Leser sofort wiedererkennen dürften.
Das Buch zeigt, dass Veränderung möglich ist und dass Krisen manchmal der Anfang von etwas Neuem sein können. Anita Reif schreibt dabei klar, ruhig und ohne erhobenen Zeigefinger. Ihr Stil ist
einfühlsam, unaufgeregt und angenehm nahbar. Sie verzichtet auf übertriebene Zuspitzungen und vertraut stattdessen auf die Wirkung von Alltagssituationen, Gedanken und leisen Konflikten. Genau
das macht das Buch so angenehm zu lesen.
Wer sich gerade fragt, ob das eigene Leben nicht mehr Tiefe, mehr Leichtigkeit oder mehr Echtheit haben könnte, wird sich in diesem Buch an vielen Stellen wiederfinden. „Dein Leben bietet mehr
als du denkst“ ist eine wertvolle Einladung, wieder mehr auf sich selbst zu hören und dem eigenen Leben bewusster zu begegnen.
www.vertrauenundleben.de
Interview mit der Autorin Anita Reif
Liebe Anita, was war der Auslöser dafür, dieses Buch zu schreiben?
Es gab keinen ganz konkreten Moment, in dem mir klar war: Ich werde Bücher schreiben. Es war mehr eine Erkenntnis, die gewachsen ist. Im Rahmen meiner
Coach-Ausbildungen wurde mir immer deutlicher, wie viel unnötigen Ballast aus der Vergangenheit wir Tag für Tag mit uns rumschleppen. Die Botschaft, dass das Leben viel unbeschwerter sein kann
ohne diese Last, wollte ich in die Welt geben.
Gab es einen bestimmten Moment in deinem Leben, an dem du gespürt hast: „Mein Leben bietet mehr?“
Der beeindruckendste Moment für mich war, meine älteste Tochter nach der Entbindung im Arm zu halten. Dieses Gefühl des Mutterseins und das wunderbare Geschenk, das
Leben dieses kleinen und zarten Wesens begleiten zu dürfen, dafür nun verantwortlich zu sein, es genießen zu dürfen - war unglaublich und ging tiefer als jede andere Erfahrung.
Du warst viele Jahre Lehrerin. Was hat dich dazu bewegt, heute Menschen als Coach zu begleiten?
Ich bin immer noch Lehrerin. Doch der Wunsch, Menschen im Coaching auf ihrem Weg zu begleiten, basiert ganz einfach auf dem Bedürfnis, Gutes zu tun. Und in meinen
Augen ist es etwas Gutes, wenn Menschen unbeschwert und selbstbestimmt ihr Leben gestalten. Das ist nämlich nicht nur ein Gewinn an Lebensqualität für den Einzelnen, sondern wirkt sich auch
positiv auf das soziale Umfeld aus.
Wann hast du gemerkt, dass du nicht nur begleiten, sondern auch schreiben möchtest?
Als ich an mir selbst wie auch an Menschen, die ich begleitete, erlebt habe, wie befreiend es ist, alte Lasten oder übernommene Einstellungen loszulassen. Ich hatte
das Bedürfnis, viel mehr Menschen anzusprechen und zu erreichen, als ich das im persönlichen 1:1-Coaching leisten kann.
Dein Buch beschäftigt sich mit innerer Zerrissenheit, Anpassung und Erschöpfung. Warum sind gerade diese Themen heute so präsent.
Weil die Welt zunehmend komplexer wird und die Anforderungen an jeden Einzelnen immer größer werden. Es ist, als würde an einem von verschiedenen Seiten immer mehr
gezogen werden – Beruf, Karriere, Familie, Hobby, Freunde, Social Media. Da kann man sich recht schnell verlieren. Eine gute innere Basis, also ein aufgeräumtes Inneres, bietet in meinen Augen
eine gute Grundlage, um die täglichen Herausforderungen gut meistern zu können und sich selbst dabei im Blick zu behalten.
Die Hauptfigur Mariella erlebt einen Zusammenbruch, der letztlich zu einem Wendepunkt wird. Warum brauchen viele Menschen oft erst eine Krise, bevor sie
hinschauen?
Gute Frage! Wir Menschen sind Gewohnheitsliebhaber. Das ist einerseits grandios, weil uns Gewohnheiten im Alltag eher wenig Energie kosten. Das ist bei so etwas wie
Zähneputzen, Radfahren oder Einkaufen toll. Andererseits ist es hinderlich, weil es zum Festhalten an dem führt, was uns bekannt ist – wir bleiben am liebsten in unserer Komfortzone, in der wir
uns gut auskennen. Dass darin nicht alles gut ist, nehmen wir in Kauf, da uns die scheinbare Berechenbarkeit und Planbarkeit in dieser Zone einfach wichtig sind und uns das Gefühl von Sicherheit
vermitteln. Eine Krise bricht diese Sicherheit und Planbarkeit auf und bietet durch diesen bildlich gesprochenen „Riss“ in unserer Komfortzone die Chance, mal einen Blick darüber hinaus zu werfen
– und dieser Blick kann nach außen wie auch nach innen gehen.
Viele Menschen funktionieren jahrelang – beruflich, privat, familiär. Woran merkt man, dass man sich selbst dabei verloren hat?
Das erlebt jeder vermutlich unterschiedlich. Ich denke, spätestens dann, wenn man feststellt, dass das eigene Lachen und die Freude im und am Leben einen nicht mehr
begleiten.
Gibt es eine Passage oder Szene im Buch, die dir persönlich besonders nah geht?
Mich berührt der weiter werdende Blick, den Marilla besonders auf ihren Vater bekommt. Da steckt so viel Friedvolles drin.
Wie viel Anita Reif steckt in Mariella?
Es gibt schon gewisse Parallelen, doch auch einen ganz großen Unterschied: Mariella begann schon als junge Erwachsene zu sich zu schauen. Mich haben meine Kinder
dazu „eingeladen“. Ihnen wollte ich die bestmögliche Mutter sein. Und das geht in meinen Augen am ehesten, wenn eine Mutter in sich klar ist und sich nicht zwischen alten, überholten Mustern,
Denkweisen und Überzeugungen eingeschränkt bewegt.
Wenn Leserinnen und Leser nur eine zentrale Botschaft aus deinem Buch mitnehmen würden – welche wäre das?
Auch dein Leben bietet mehr als du denkst. Vertrau auf dich und lebe dein Leben! Wie sah dein Schreibprozess aus –
schreibst du eher diszipliniert oder intuitiv?
Mein Schreiben ist eine Mischung aus beidem. Ich schreibe einerseits diszipliniert und strukturiere mein Buch im Vorfeld mit zentralen Gedanken. Andererseits ist
Schreiben für mich etwas, das von innen kommt. Und das funktioniert nicht auf Knopfdruck, sondern für mich ist es wichtig, einen Rahmen zu gestalten, in dem die Worte, Formulierungen und Gedanken
fließen können.
Gab es Momente während des Schreibens, in denen du gezweifelt hast?
Ich weiß nicht, ob zweifeln der passende Begriff dafür ist. Es gab Momente, in denen ich gemerkt habe, dass ein Buch zu schreiben aufwändiger ist, als ich das
gedacht hatte.
Welche Rolle spielt Schreiben für dich persönlich – eher Reflexion, Verarbeitung oder Ausdruck?
Auch da ist sicher von allem etwas dabei. Schreiben ist für mich auf jeden Fall etwas sehr Persönliches, da das, was in mir ist, durch meine Hand aufs Papier kommt.
Erst in einem zweiten Schritt kommt der Computer ins Spiel.
Was war die größte Herausforderung beim Schreiben dieses Buches?
Das Schreiben in den Alltag zu integrieren.
Was hast du selbst in den letzten Jahren über dich gelernt?
Sehr viel! Ich sehe die inneren Zusammenhänge in meinem Leben sowie die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem habe festgestellt, wie sehr ich
mich durch bestimmte Denkmuster teilweise selbst eingeschränkt hatte.
Welches Buch hat dein Leben besonders geprägt?
Spontan fällt mir ein Kinderbuch ein, in dem es um einen jungen Wolf geht, der nur dank der Hilfsbereitschaft eines Menschen überleben konnte. Mag sein, dass das
meine Hilfsbereitschaft und den Wunsch, zu helfen und Gutes zu tun, bestärkt hat.
Was würdest du heute deinem jüngeren Ich gerne sagen?
Ich weiß gar nicht, ob ich meinem jüngeren Ich Ratschläge in der Form geben würde, um im Leben etwas anders zu machen, als ich es getan habe. Denn ich bin für meine
Erfahrungen – auch für die herausfordernden – dankbar. Ich würde meinem jüngeren Ich am ehesten Mut zusprechen: Mut auf sich selbst zu vertrauen und den eigenen Weg zuversichtlich und
vertrauensvoll zu gehen.
Was wünschst du dir, wenn Menschen dein Buch zuklappen?
Mich würde es sehr freuen, wenn jemand nach dem Lesen meines Buches innerlich berührt ist, liebevoll in sich hineinlächelt und zuversichtlich in die eigene Zukunft
blickt.
Gibt es aktuell schon Ideen für ein weiteres Buch?
Ja, mein zweites Buch ist am Entstehen. Es wirft ein Licht auf die Herausforderungen des familiären Alltags, wenn innerhalb der Familie die einzelnen Personen von
der Art her unterschiedlich gestrickt sind.
Und ganz zum Schluss: Was bedeutet für dich persönlich der Satz: „Dein Leben bietet mehr als du denkst“?
Wie wahr!
Ich durfte in den letzten Jahren meine Komfortzone so oft verlassen und erweitern, habe so viele positive Erfahrungen gemacht und viele besondere Menschen kennen
gelernt, dass ich einfach nur dankbar dafür bin. Meine Devise im Leben, die daraus erwachsen ist, lautet: vertrauen und leben.
Deshalb habe ich auch ganz bewusst meine Homepage so genannt: www.vertrauenundleben.de .


